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Friedrichshafen

TeletherapieAuch der Fachbereich Logopädie an den Bernd-Blindow-Schulen in Friedrichshafen musste aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen werden. Wie bei allen Schulen fand der Unterricht überwiegend daheim statt. Da die Bernd-Blindow-Schulen in enger Kooperation mit der DIPLOMA-Hochschule stehen – über die man Logopädie in Friedrichshafen auch studieren kann – bestand hier jedoch die Möglichkeit, deren Online-Campus zu nutzen.

„Gleich nachdem die Schulschließungen bekannt wurden, haben wir unseren Unterricht online anbieten können“, berichtet Schulleiter Herr Kühl. "Wir waren nicht etwa wie manch andere Schulen gezwungen, den Schülern per Email Arbeitsaufträge zu erteilen, sondern die Dozenten konnten die Schüler bequem von daheim aus unterrichten – am PC, mit Headset und Cam. Und das ohne jegliches Infektionsrisiko.“ Der Online Campus greift dabei auf das Programm „Adobe Connect“ zurück und ermöglicht eine Übertragung von Bild und Ton während einer Videokonferenz, an der alle Schüler und die jeweilige Lehrkraft teilnehmen. „Da wir im Fachbereich Logopädie jedoch Therapeuten ausbilden, reichte es nicht aus, online Unterricht durchführen zu können, um die weitere Ausbildung unserer Schüler gewährleisten zu können", fährt Herr Kühl fort.

Logopäden behandeln Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen bei Patienten aller Altersgruppen. Es werden z.B. Kinder behandelt, die nicht beginnen zu sprechen oder in ihrer Sprachentwicklung stagnieren. Aber auch ältere Menschen können unter Sprachverlust leiden, wenn bei ihnen eine neurologische Erkrankung, wie ein Schlaganfall, vorliegt. Auch Patienten mit Stimmstörungen, wie sie bei Berufssprechern oftmals entstehen, können von Logopäden behandelt werden. Dabei spielt jedoch das praktische Einüben von Therapiemethoden während der Ausbildung eine große Rolle.

„Es hat sich immer wieder gezeigt, dass für das Erlernen der Berufspraxis vor allem das eigenständige Behandeln von Patienten bereits während der Ausbildung von entscheidender Rolle ist“, meint Schulleiter Herr Kühl. Um die Qualität der Behandlungen zu gewährleisten, finden die Schülerbehandlungen unter Supervision – also Aufsicht – von Seiten eines erfahrenen Lehrtherapeuten statt. Nachdem die an die Schule angeschlossene Lehrpraxis aufgrund der Pandemie vorübergehend geschlossen werden musste, standen die Ausbilder nun vor einem Problem. „Wir wussten bereits aus Studien, dass logopädische Therapien auch als Teletherapie – also online, ähnlich des von uns bereits eingesetzten Unterrichts – möglich sind. So wird zum Beispiel in Australien das Lidcombe-Programm zur Behandlung des Stotterns bei Kindern seit Jahren via Teletherapie angeboten. Die Wirksamkeit der Therapieform wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Australien ist ein im Vergleich zu Deutschland sehr dünn besiedeltes Land. Hier müssten z.B. Eltern stotternder Kinder viele Meilen Fahrweg zu qualifizierten Stottertherapeuten in Kauf nehmen. Das ist teilweise nicht umsetzbar.

So ist dort die Idee der Teletherapie entstanden. Die Umsetzung erfolgt in Australien einerseits durch Online-Konferenzen mit Bild- und Tonübertragung und andererseits, indem die Eltern Videos von den Übungen anfertigen, die sie mit ihrem Kind durchführen und sie dann verschicken. Der Therapeut kann ihnen dann ein Feedback geben. „Die Zeit war gekommen, das ebenfalls auszuprobieren“ berichtet Herr Kühl. Zufällig meldete sich in genau dem Augenblick die Mutter eines ehemaligen Patienten in der Lehrpraxis und bat um Weiterbehandlung ihres Sohnes. Die Therapie musste vor Beginn der Pandemie aus organisatorischen Gründen leider beendet werden. Das Problem stellte schon damals der Fahrweg dar. „Es ist nicht immer ganz einfach für jeden Patienten den individuell passenden Behandlungsansatz zu finden – oder gegebenenfalls auch ganz neu zu entwickeln“ fährt Herr Kühl fort. „Jeder Mensch ist einzigartig und bei etwas so Komplexem, wie der Sprache, können auch Störungen individuell verschieden auftreten. Es hatte etwas gedauert, bis wir für Lucas den richtigen Therapieansatz entwickeln konnten. Dann aber zeigte die Behandlung zunehmend besseren Erfolg. Und dann mussten wir die Behandlung abbrechen.“ „Einerseits waren wir stolz zu erkennen, dass wir mit unserer Behandlung auf dem richtigen Weg waren“ meint eine der behandelnden Schülerinnen "andererseits waren wir aber auch traurig, dass wir Lucas damals nicht weiterbehandeln konnten. Er ist sehr nett und hat immer gewissenhaft mitgearbeitet. Und wir haben gemerkt, dass wir ihm helfen können. Wer weiß, wie es dann weitergegangen wäre. Es gibt so viele verschiedene Therapieformen – gerade bei ihm war es nicht leicht, das richtige Vorgehen zu finden.“

Und so entschieden sich Lehrer und Schüler bei Lucas eine Teletherapie einzuleiten: Das Abenteuer konnte beginnen. Nach anfänglichen Problemen mit der Technik gelang es aber schließlich auch hier auf virtuellem Wege eine Therapie durchzuführen. „Wir sind sehr froh darüber, dass die Behandlung nun doch noch von den Schülern der Bernd-Blindow-Schulen fortgesetzt werden kann“ erklärt Frau L., die Mutter des Patienten. Auch Lucas strahlt während der Therapiestunden – zwar nicht in einem realen, aber in einem virtuellen Therapieraum. „Es geht sehr gut“, findet er, nachdem er gefragt wurde, ob die Therapie auch online durchgeführt werden kann. „Generell muss man zugeben, dass eine Teletherapie nicht für jeden Patienten und für die Behandlung jedes Störungsbildes geeignet ist“ erklärt Herr Kühl. „Aber in manchen Fällen – wie bei Lucas – erscheint Teletherapie sinnvoll“. Corona hat die Menschen vor Herausforderungen gestellt. Es wurde Entwicklung notwendig. „Ohne diese Notwendigkeit hätten wir uns an die Teletherapie wahrscheinlich nicht heran gewagt“, meint Herr Kühl. Jetzt aber akzeptieren auch die Krankenkassen virtuell durchgeführte Therapien. „Auch nachdem die Pandemie überstanden ist, werden wir Lucas die Therapie auf diese Weise anbieten“ bestätigt Herr Kühl. „Das ist für ihn einfach ein guter Weg.“ Bei jedem Patienten anwenden lasse sich Teletherapie jedoch dennoch nicht, betont Herr Kühl. „Teletherapie kann die Therapie in der Praxis nicht generell ersetzen. Aber sie ist ein neuer Weg, der in Betracht gezogen werden kann – z.B. wenn es Probleme mit den Fahrtwegen gibt.“

von Torben Kühl, Schulleitung Logopädie an den Bernd-Blindow-Schulen Friedrichshafen

 

 

 

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