Wäre es ein Montag wie jeder andere, würden sich die angehenden Pharmazeutisch-technischen Assistenten an der Mannheimer Bernd-Blindow-Schule jetzt mit Arzneimit-telkunde, Apothekenpraxis oder Galenik beschäftigen. Doch diesmal gilt das Interesse nicht Salben, Tabletten und Tinkturen, sondern dem Rednerpult im zum Vortragssaal umfunktionierten Gymnastikraum. Die Presse ist im Haus, Fotografen, sogar das Radio. Der Grund: hoher Besuch aus Stuttgart hat sich angesagt.

Der Terminkalender von Muhterem Aras ist derweil dicht gepackt. Für die baden-württembergische Landtagspräsidentin ist es Termin Nummer Zwei an diesem Vormittag. Mit Spannung wird sie von den Schülern erwartet.

Zu verdanken ist Aras‘ Besuch dem Engagement von Helena Wanitschke, einer Schülerin des staatlich anerkannten Berufskollegs. Sie hatte die Idee, sich für einen Unter-richtsbesuch der Landtagspräsidentin zu bewerben. „Jetzt sitzt sie tatsächlich hier", sagt Wanitschke und kann es irgendwie selbst kaum glauben. Über 300 Schulen hatten sich um einen Besuch von Aras beworben - und die private Bernd-Blindow-Schule war unter den 60 Glücklichen, die am Ende ausgewählt wurden. Bei Schulbesuchen wie diesen will Aras mit Schülern ins Gespräch kommen, sie für Politik interessieren und zum Wählen motivieren. Mit eingeladen sind zu diesen Terminen stets auch die lokalen Abgeordneten aller Parteien. Doch nur einer folgt an diesem Vormittag Aras‘ Einladung an die BBS: Rüdiger Klos von der AfD.

Und so dürfen sich die 80 PTA-Schüler zwischen 16 und 38 Jahren schon einmal auf eine spannende Diskussion mit zwei Politikern freuen, deren Standpunkte kontroverser nicht sein könnten. Über „Integration", „Bildung" und „Gleichbehandlung aller Lebensformen" wollen die beiden mit den Auszubildenden diskutieren. Brennend interessieren sich die Berufsfachschüler zunächst aber für Themen wie Arzneimittelpreise, Gleichstellung am Arbeitsplatz oder das durch den Online-Handel verursachte Apothekensterben. Aras (von den Grünen) ist gegen einen Online-Handel mit Medikamenten, immerhin sei Medizin „kein Nachtisch wie Schokomousse, den man sich einfach mal so selbst nimmt". Klos (AfD) hat da weniger Bedenken, sieht im Online-Handel ganz einfach eine Markt-entwicklung wie bei jedem anderen Produkt. Hitzig wird die Debatte, als es um das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare geht. Ginge es nach Klos, sei es besser für ein Kind, wenn es ganz konservativ „Eltern" habe, anstatt zwei Mütter oder zwei Väter. Damit kommt er bei den weitaus weltoffeneren jungen Leuten aber nicht gut an, die ähnlich wie auch Aras allein das Wohl des Kindes sehen, ganz gleich in welcher Kons-tellation es aufwächst. Flüchtlingspolitik, Bildungsfragen und Umweltthemen - am Ende der knapp zweistündigen Diskussion finden die Auszubildenden Aras überzeugender. Die Landtagspräsidentin selbst ist auch beeindruckt: „vom Wissen und dem Enthusiasmus der Schüler bei der Debatte". Ganz offensichtlich ist „Politik statt Pharmazie" an diesem spannenden Montag bei den BBS-Schülern also sehr gut angekommen.

     Von Tobias Stepic, PTA-Kurs 9/16 B

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